Selbstfürsorge für Angehörige: Unterstützung ohne Überlastung
Begleiter, Motivator, Partner: Unterstützung ohne Überlastung
Wenn ein nahestehender Mensch von einer seltenen Erkrankung oder einer schweren Krankheit wie Krebs oder Schlaganfall betroffen ist, belastet das die ganze Familie und auch den engsten Freundeskreis. Als pflegende oder unterstützende Angehörige und Freunde können Sie dem Patienten beistehen und ihm Rückhalt geben. Für das ärztliche und therapeutische Fachpersonal sind Sie ein wichtiger Ansprechpartner, weil Sie die Gewohnheiten des Patienten kennen und wissen, was ihm guttut. Doch wie können Sie als pflegender Angehöriger die Therapie unterstützen?
Pflegende Angehörige – Die eigenen Ängste und Sorgen nicht ignorieren
Die Belastung als pflegender Angehöriger ist enorm. Man trägt nicht nur die Verantwortung für die Unterstützung des Erkrankten, sondern muss oft auch mit den eigenen Ängsten und Sorgen umgehen. Gerade weil der Fokus oft auf dem Betroffenen liegt, neigen viele pflegende Angehörige dazu, ihre eigenen Bedürfnisse und Ängste zu verdrängen. Doch das kann auf lange Sicht zu Erschöpfung und Überforderung führen. Es ist entscheidend, die eigenen Ängste zu erkennen und zu benennen, um ihnen konstruktiv zu begegnen.
Selbstreflexion als Schlüssel
Stellen Sie sich regelmäßig Fragen wie:
- Was fürchte ich genau? – Diese Konkretisierung hilft dabei, die Angst greifbar zu machen und zu verstehen, was sie auslöst.
- Wie wahrscheinlich ist es, dass das, wovor ich mich fürchte, tatsächlich eintritt? – Eine Realitätsprüfung der Ängste hilft, die eigene Wahrnehmung zu relativieren und übermäßige Sorgen abzubauen.
- Was würde ich tun, wenn das, wovor ich mich fürchte, wirklich passiert? – Die Vorbereitung auf potenzielle Schwierigkeiten nimmt die Angst vor der Ungewissheit und schafft ein Gefühl der Kontrolle.
- Gibt es Dinge, die ich vorsorglich regeln kann? – Proaktive Maßnahmen zur Vorbereitung können Ängste verringern und die eigene Handlungsfähigkeit stärken.
Die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten kann zu einer Quelle der Stärke werden. Wenn Sie wissen, wie Sie mit Ihren Ängsten umgehen können, stärken Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihre Fähigkeit, dem Erkrankten beizustehen.
Die Situation, in der pflegende Angehörige sich oft wiederfinden, ist herausfordernd. Die Ängste, die dabei entstehen, sind völlig normal, und es ist wichtig, sich nicht von ihnen lähmen zu lassen. Stattdessen können Sie durch einfache, aber wirksame Strategien wie den Gedankenstopp, das Aktivieren Ihrer Ressourcen und das Entwickeln konkreter Handlungsschritte die Kontrolle zurückgewinnen. Indem Sie auch auf sich selbst achten und Ihre eigenen Ängste ernst nehmen, bleiben Sie stark – für sich selbst und für die Menschen, die Sie unterstützen.
Eigene Bedürfnisse erkennen und achten
In der Rolle des pflegenden Angehörigen geht es oft darum, die Bedürfnisse des erkrankten Menschen in den Vordergrund zu stellen. Doch gerade diese Situation verlangt von Ihnen, Ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Nur wer sich selbst gut umsorgt und auf die eigene Gesundheit achtet, bleibt langfristig in der Lage, den Erkrankten zu unterstützen. Sich selbst zu vernachlässigen kann auf Dauer zu körperlicher und emotionaler Erschöpfung führen und damit die Qualität der Pflege beeinträchtigen. Es ist daher entscheidend, die eigene Balance zu finden, um sowohl für den Betroffenen als auch für sich selbst da zu sein.
Freiräume schaffen
Um Ihre eigenen Bedürfnisse zu wahren, ist es wichtig, regelmäßig Freiräume zu schaffen. Dies kann durch das Einbinden anderer Familienmitglieder oder Freunde in die Pflegeaufgaben geschehen. Vielleicht kann jemand für ein paar Stunden oder sogar einen ganzen Tag die Verantwortung übernehmen, sodass Sie Zeit für sich selbst haben. Diese Zeit sollte bewusst für Aktivitäten genutzt werden, die Ihnen guttun – sei es ein entspannender Spaziergang, der Besuch von Freunden oder auch einfach nur eine Auszeit von der Pflege. Solche Momente der Entlastung sind wichtig, um wieder neue Kraft zu schöpfen und sich emotional und körperlich zu regenerieren.
Hilfe annehmen
Sie müssen nicht alles alleine stemmen. Es gibt zahlreiche professionelle Dienste, die Sie bei der Pflege und Betreuung unterstützen können. Ambulante Pflege, Haushaltshilfen oder psychosoziale Beratungsdienste können eine wertvolle Entlastung bieten. Es mag zunächst schwerfallen, Hilfe anzunehmen, vor allem wenn man sich verpflichtet fühlt, alles selbst zu tun. Doch professionelle Unterstützung ermöglicht es Ihnen, die Pflege mit mehr Energie und weniger Belastung fortzusetzen, ohne sich selbst zu überfordern. Sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt der Selbstfürsorge.
Selbsthilfegruppen und Austausch mit anderen
Der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen kann eine wichtige Quelle der Unterstützung und des Trostes sein. In Selbsthilfegruppen können Sie Erfahrungen teilen und erhalten wertvolle Ratschläge von Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Der Gedanke, nicht allein zu sein, kann eine enorme Erleichterung bringen. Zudem bieten solche Gruppen die Gelegenheit, die eigenen Sorgen und Ängste in einem sicheren Umfeld zu äußern. Auch Online-Communities für Angehörige können einen hilfreichen Raum für Austausch und Unterstützung bieten.
Beratungsstellen und professionelle Hilfe
Es gibt viele Beratungsstellen und Unterstützungsangebote, die speziell für pflegende Angehörige entwickelt wurden. Diese bieten nicht nur praktische Hilfe, sondern auch emotionalen Beistand, um mit der Belastung der Pflege umzugehen. Oft kann es sehr hilfreich sein, mit einem außenstehenden Experten, sei es in einer Familien-, Paar- oder Einzeltherapie, über die Herausforderungen zu sprechen, die mit der Pflege eines kranken Angehörigen einhergehen. Diese Gespräche helfen, eigene Gefühle zu ordnen, Ängste abzubauen und Lösungen zu finden. Auch psychologische Unterstützung für pflegende Angehörige wird in vielen Fällen angeboten und kann eine wertvolle Hilfe sein.
Auch wenn es unerreichbar erscheint: Denken Sie auch an sich selbst!
Als pflegender Angehöriger erleben Sie oft eine Veränderung Ihrer eigenen Rolle. Die Bedürfnisse des erkrankten Familienmitglieds treten in den Vordergrund, während die eigenen oft zurückgestellt werden. Dabei ist es gerade in solchen belastenden Zeiten umso wichtiger, auch auf sich selbst zu achten. Eine schwere Erkrankung stellt nicht nur den Patienten, sondern auch den Angehörigen vor enorme psychische und physische Herausforderungen. Oft fühlen sich pflegende Angehörige schuldig, wenn sie sich eine Auszeit nehmen oder an ihre eigenen Bedürfnisse denken. Doch es ist entscheidend, diese Schuldgefühle abzulegen. Auch für den Erkrankten ist es wichtig, dass es denjenigen, die ihn unterstützen, gut geht. Nur so können Sie langfristig eine gute Pflege und Unterstützung bieten.
Sich selbst wahrnehmen und akzeptieren
Hören Sie auf sich und nehmen Sie sich bewusst Pausen. Achten Sie darauf, wann Ihre eigenen Grenzen erreicht sind – sowohl körperlich als auch emotional. Wenn Sie spüren, dass Sie erschöpft sind oder Ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr erkennen können, ist es ein klares Zeichen, dass es Zeit für eine Auszeit ist. Es ist keine Schwäche, Hilfe anzunehmen oder eine Pause zu machen, sondern eine Maßnahme zur Sicherstellung Ihrer eigenen Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Ein bewusstes „Stopp“ hilft, sich selbst nicht zu verlieren und weiterhin eine starke Stütze für den Erkrankten zu bleiben.
Akzeptieren Sie Veränderungen
Die Pflege eines erkrankten Angehörigen bringt häufig tiefgreifende Veränderungen in das familiäre und soziale Leben mit sich. Möglicherweise müssen alte Prioritäten neu gesetzt und die familiäre Struktur angepasst werden. Es ist wichtig, diese Veränderungen zu akzeptieren und sich auf neue Möglichkeiten der Unterstützung und Versorgung einzulassen. Oft kann die Erkenntnis, dass auch kleine Veränderungen zu einer besseren Lebensqualität führen können, eine hilfreiche Perspektive bieten.
Nur wenn Sie auf sich selbst achten und Ihre eigenen Bedürfnisse ernst nehmen, können Sie auf lange Sicht für den erkrankten Angehörigen da sein. Es ist ein aktiver Prozess, der regelmäßig reflektiert und in den Alltag integriert werden muss. Indem Sie Hilfe annehmen, Freiräume schaffen und sich mit anderen Angehörigen austauschen, können Sie sich selbst unterstützen und Ihre Ressourcen langfristig erhalten. So bleiben Sie gesund, leistungsfähig und in der Lage, dem Erkrankten die nötige Unterstützung zu bieten. Achten Sie also darauf, auch Ihre eigene Balance zu wahren – für sich selbst und für denjenigen, dem Sie beistehen.
Mutmacher-Geschichten: Angehörige von Krebsbetroffene erzählen
Gemeinsam mit den Cancer Survivors lässt die Initiative Räume zum Reden Menschen zu Wort kommen, die ihre krebskranken Angehörigen unterstützen und pflegen. Denn oftmals reichen schon die Erfahrungen anderer, um eine neue Perspektive auf die eigene herausfordernde Situation zu bekommen und Kraft zu schöpfen.
Wie geht es weiter? Was bedeutet das für unsere Familie? Wie begegne ich meinen eigenen Ängsten? Und was kann ich tun, damit meine Akkus nicht irgendwann leer sind?
Warum sind Pausen so wichtig?
Pausen sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie helfen, körperliche und seelische Erschöpfung zu vermeiden, und geben Ihnen die Energie zurück, die Sie für die Betreuung Ihres Angehörigen benötigen. Ohne regelmäßige Erholung besteht die Gefahr von Überforderung und Burnout.
Kleine Auszeiten im Alltag:
- Genussvolle Rituale: Gönnen Sie sich täglich eine Tasse Tee oder Kaffee in Ruhe – ein kleiner Moment nur für Sie. Rituale wie diese schaffen Struktur und bieten eine kurze, aber wertvolle Auszeit.
- Spaziergänge in der Natur: Schon kurze Aufenthalte im Freien können beruhigend wirken und die Stimmung heben. Die frische Luft und Bewegung regen den Kreislauf an und fördern die geistige Klarheit.
- Musik und Entspannung: Hören Sie Ihre Lieblingsmusik oder probieren Sie geführte Meditationen aus. Musik kann eine heilende Wirkung haben und hilft, Stress abzubauen.
Langfristige Erholungsstrategien:
- Regelmäßige Auszeiten planen: Nutzen Sie Angebote wie Tagespflege oder Kurzzeitpflegeeinrichtungen. Diese Möglichkeiten geben Ihnen Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten.
- Hilfe aus dem Umfeld: Bitten Sie Verwandte, Freunde oder Nachbarn, bei bestimmten Aufgaben zu unterstützen. So schaffen Sie sich Freiräume für persönliche Erholung.
- Urlaub und Auszeiten: Organisieren Sie längere Pausen durch Unterstützung von Pflegevertretungen. Auch ein kurzer Tapetenwechsel kann Wunder wirken und Ihre Energiereserven auffüllen.
Selbstfürsorge als Schlüssel:
- Gesunde Ernährung und Bewegung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Beides stärkt nicht nur den Körper, sondern wirkt sich auch positiv auf Ihre mentale Gesundheit aus.
- Hobbys und Interessen pflegen: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten. Sei es ein kreatives Hobby, Sport oder der Austausch mit Freunden – diese Momente helfen, den Alltag zu entschleunigen.
- Professionelle Unterstützung: Suchen Sie bei Bedarf die Hilfe von Therapeuten oder Coaches, die Ihnen Wege aufzeigen können, wie Sie Ihre Kräfte besser einteilen.
Der richtige Umgang mit Schuldgefühlen:
Viele Angehörige kämpfen mit dem Gefühl, nicht genug für ihre Liebsten zu tun, wenn sie sich eine Auszeit nehmen. Doch Selbstfürsorge ist keine Egozentrik, sondern eine notwendige Grundlage, um langfristig für andere da sein zu können. Denken Sie daran: Sie können nur dann effektiv helfen, wenn Sie selbst gesund und ausgeglichen sind.
Meditation – Abschalten und innere Ruhe finden
Meditation ist eine jahrtausendealte Praxis, die heute mehr denn je an Bedeutung gewinnt. Sie bietet nicht nur die Möglichkeit, Stress abzubauen, sondern kann auch als Werkzeug dienen, um innere Ruhe und Gelassenheit zu finden – gerade in Zeiten, die von emotionalen Herausforderungen geprägt sind. Für Angehörige schwerkranker Menschen kann Meditation eine wertvolle Ressource sein, um mit den Belastungen des Alltags besser umgehen zu können.
Die Kraft der Meditation verstehen
Meditation ist weit mehr als bloßes Stillsitzen oder der Versuch, den Geist zu leeren. Es handelt sich um eine bewusste Praxis, die darauf abzielt, die eigene Aufmerksamkeit zu lenken und den Geist zu zentrieren. Dabei geht es nicht darum, Gedanken oder Gefühle zu verdrängen, sondern sie achtsam wahrzunehmen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. Dieses Prinzip der Achtsamkeit kann helfen, sich nicht in Sorgen oder Ängsten zu verlieren, sondern stattdessen einen klaren Blick auf die Gegenwart zu bewahren.
Studien zeigen, dass regelmäßige Meditation zahlreiche positive Effekte auf die psychische und physische Gesundheit haben kann. Sie reduziert nachweislich Stresshormone, verbessert die Schlafqualität und stärkt das Immunsystem. Zudem fördert sie die emotionale Resilienz und kann dabei helfen, den Umgang mit schwierigen Gefühlen wie Trauer, Angst oder Frustration zu erleichtern.
Meditation in den Alltag integrieren
Die gute Nachricht ist: Meditation erfordert keine besonderen Voraussetzungen. Sie brauchen weder viel Zeit noch spezielles Equipment, um von den Vorteilen zu profitieren. Schon wenige Minuten täglicher Übung können einen spürbaren Unterschied machen. Beginnen Sie beispielsweise mit einer einfachen Atemmeditation. Setzen Sie sich bequem hin, schließen Sie die Augen und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem. Spüren Sie, wie die Luft einströmt und wieder ausströmt. Sollten Ihre Gedanken abschweifen, bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit sanft zurück zum Atem. Diese einfache Übung kann Ihnen helfen, den Geist zu beruhigen und sich inmitten von Chaos einen Moment der Stille zu schaffen.
Meditation als Quelle der Selbstfürsorge
Für Angehörige kann Meditation auch eine Form der Selbstfürsorge sein. Wenn Sie sich um einen schwerkranken Menschen kümmern, geraten Ihre eigenen Bedürfnisse oft in den Hintergrund. Meditation bietet Ihnen die Gelegenheit, bewusst innezuhalten und sich wieder mit sich selbst zu verbinden. Dieser Moment der Achtsamkeit kann wie ein kleiner Urlaub für den Geist sein und Ihnen helfen, neue Kraft zu schöpfen.
Auch bewegte Meditationen wie Qigong, Tai Chi oder achtsames Gehen sind eine Möglichkeit, innere Ruhe zu finden. Sie kombinieren langsame, bewusste Bewegungen mit konzentrierter Aufmerksamkeit und können besonders hilfreich sein, wenn Ihnen das stille Sitzen schwerfällt. Diese Formen der Meditation schöpfen aus der Verbindung von Körper und Geist und bieten eine ganzheitliche Methode zur Stressbewältigung.
Langfristige Wirkung entfalten
Wichtig ist, dass Meditation keine einmalige Lösung ist, sondern eine Praxis, die durch Regelmäßigkeit ihre volle Wirkung entfaltet. Versuchen Sie, feste Zeiten in Ihren Tagesablauf einzubauen, sei es morgens vor dem Start in den Tag oder abends vor dem Schlafengehen. Schon zehn Minuten können genügen, um langfristig positive Effekte zu spüren. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, dran zu bleiben, beginnen Sie klein und steigern Sie die Dauer allmählich. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, sich selbst etwas Gutes zu tun.
Meditation ist eine Einladung, dem hektischen Alltag für einen Moment zu entfliehen und einen inneren Ort der Ruhe zu finden. Sie erfordert keine Vorkenntnisse, sondern nur die Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Für Angehörige kann diese Praxis zu einer wertvollen Unterstützung werden, um emotionalen Herausforderungen mit mehr Gelassenheit und Klarheit zu begegnen. Geben Sie sich die Erlaubnis, diesen Weg auszuprobieren – nicht als Verpflichtung, sondern als Geschenk an sich selbst.
Wie sie ihrem schwerkranken Angehörigen helfen können
Denken Sie auch an sich: Suchen Sie sich Unterstützung. Sie kennen die Gewohnheiten des Patienten und die Probleme, die im Alltag auftreten. Geben Sie diese wichtigen Informationen an Ärzte und Therapeuten weiter.
Aber keine Sorge: Für den Therapieerfolg sind Sie nicht verantwortlich. Denn dafür sind Sie nicht ausgebildet. Seien Sie eher Begleiter, Motivator und Partner. Leisten Sie dem Menschen, der Ihnen nahesteht, bei seiner Erkrankung emotionalen Beistand und geben Sie ihm Rückhalt. Wenden Sie sich mit Ihren Fragen nicht nur an den Arzt, sondern auch an den Therapeuten, die Krankenkasse, an Selbsthilfegruppen oder einen Pflegedienst. Je breiter Sie das Netzwerk aus Helfenden um sich herum aufbauen, desto mehr Unterstützung werden Sie bekommen.
Experten-Interview: Selbstfürsorge für Angehörige von Patient:innen
Frau PD Dr. med. Anja Rinke ist Internistin mit der Zusatzbezeichnung medikamentöse Tumortherapie und arbeitet in der Gastroenterologie am Universitätsklinikum Marburg. Zudem ist sie die ärztliche Ansprechpartnerin der Patientenorganisation Netzwerk NeT e.V. und Herausgeberin der Patientenzeitschrift „DIAGNOSENeT“.
Die Initiative „Räume zum Reden“ hat bei Frau Dr. Rinke nachgefragt, wie stark die Folgen von der Krebserkrankung und -therapie Patient:innen und Angehörige belasten.
Experten-Interview: Selbstfürsorge für pflegende Angehörige –
Tipps gegen Überlastung
Die schwere Krankheit eines Familienangehörigen, wie zum Beispiel Krebs, Schlaganfall oder auch eine seltene Erkrankung, bedeutet auch für Familie und Freunde einen herben Einschnitt in das gewohnte Leben. Abläufe und Rollen ändern sich. Es kann schwierig werden, ausreichend auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.
Wie es gelingen kann, die eigene mentale und physische Widerstandskraft zu erhalten und zu stärken, erklärt Dr. Tatjana Reichhart, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.
Ängste bewältigen – Doppelt stark sein
Die Ängste, die sich in Zeiten schwerwiegender Erkrankungen manifestieren, sind vielfältig und oft überwältigend. Die Sorge um die Zukunft, die Angst vor Überforderung oder der Verlust eines geliebten Menschen können erdrückend wirken. Diese Ängste sind völlig verständlich, vor allem, wenn man als pflegender Angehöriger auch noch die Verantwortung trägt, den Erkrankten zu unterstützen und durch schwierige Zeiten zu begleiten. Doch es gibt Strategien, um diesen Ängsten besser zu begegnen und sie nicht die Oberhand gewinnen zu lassen.
Strategien zur Angstbewältigung
Gedankenstopp
Der Gedankenstopp ist eine der einfachsten, aber wirkungsvollsten Techniken, um sich aus der Spirale negativer Gedanken zu befreien. Wenn Sorgen und Ängste überhandnehmen, stellen Sie sich vor, ein Stoppschild vor Ihre Gedanken zu setzen. Dieses Bild hilft dabei, den Fokus bewusst zu ändern und sich nicht in negativen Szenarien zu verlieren. Eine weitere Methode besteht darin, sich selbst mit dem Vornamen oder einem Kosenamen anzusprechen – dies kann eine beruhigende Wirkung haben und den Geist aus der Anspannung befreien. Statt sich weiter in den Ängsten zu verlieren, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf positive oder beruhigende Gedanken.
Ressourcen aktivieren
Ein wichtiger Bestandteil der Angstbewältigung ist es, sich an die eigenen Stärken zu erinnern. Jeder Mensch hat bereits in der Vergangenheit schwierige Situationen gemeistert, und auch diese Krise wird bewältigbar sein. Erinnern Sie sich an frühere Erfahrungen, in denen Sie Mut und Stärke gezeigt haben. Vielleicht gab es Situationen, in denen Sie ebenfalls Ängste und Sorgen überwinden mussten. Was hat Ihnen damals geholfen? Welche inneren Ressourcen haben Sie mobilisiert? Es kann auch hilfreich sein, sich ein Netzwerk von Menschen aufzubauen, denen man vertrauen kann und die einem in dieser Zeit der Belastung Unterstützung bieten.
Praktische Maßnahmen
Angst entsteht oft aus dem Gefühl der Unvorhersehbarkeit und des Nicht-Wissens. Um dieser Angst entgegenzuwirken, kann es hilfreich sein, konkrete Handlungsoptionen zu entwickeln. Erstellen Sie eine Liste mit klaren Schritten und Optionen für die verschiedenen möglichen Szenarien, die Sie beschäftigen. Was ist zu tun, wenn die Symptome sich verschlimmern? Wie können Sie für Notfälle vorgesorgt haben? Dieses Wissen gibt Ihnen das Gefühl von Kontrolle und verringert das Gefühl der Ohnmacht.
Sich von der Angst nicht überwältigen lassen
Die Angst vor einer schlechten Diagnose, der Ungewissheit über die Zukunft und die Sorge, selbst überfordert zu werden, sind oft schwer zu tragen. Gerade als pflegender Angehöriger müssen Sie in vielen Fällen rasch Entscheidungen treffen, die für den Patienten entscheidend sind – das kann zusätzlichen Stress und Ängste hervorrufen. Auch wenn sich die Diagnose und Behandlung im Laufe der Zeit stabilisieren, bleibt die Sorge vor einem Rückfall oder weiteren Rückschlägen.
In solchen Zeiten ist es wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass Ängste und Sorgen normal sind und dass es Wege gibt, ihnen nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Statt sich in der Angst zu verlieren, kann es helfen, die Situation als herausfordernd, aber nicht ausweglos zu betrachten. Es gibt immer Handlungsspielräume, die Situation zu beeinflussen – sei es durch praktische Maßnahmen, durch die Stärkung des eigenen inneren Zustands oder durch Unterstützung von außen.
Notfallplan und Auszeiten
Dass Sie als Angehörige die Pflege oder Unterstützung von Schwerkranken übernehmen, wird oft als selbstverständlich angesehen. Sie leisten diesbezüglich meist sehr viel und kommen physisch und psychisch an Ihre Grenzen. Deshalb müssen Sie auch auf sich selbst achten, damit es zu keiner Überforderung und Überlastung kommt. Nehmen Sie jede Hilfe an, die Sie bekommen können. Wichtig ist auch, dass Sie einen Notfallplan haben. Dieser regelt, wer Sie vertritt, wenn Sie einmal krank werden oder sich eine bewusste Auszeit nehmen. Informieren Sie sich dazu bei der Sozialberatung vor Ort. Und organisieren Sie Pausen und Auszeiten, um einmal durchzuatmen. Sie können die Verantwortung für die Pflege eines Angehörigen zeitweise auch einem anderen Mitglied aus der Familie oder aus Ihrem Freundeskreis übertragen. Oder organisieren Sie sich Hilfe von außen, durch die Nutzung der ambulanten Tagespflege oder eines ambulanten Pflegedienstes.
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