Tipps und Anregungen für Angehörige

Ein Schlaganfall oder eine andere schwere Erkrankung eines Angehörigen kann das Leben von einer Sekunde auf die andere komplett verändern. Plötzlich ist der geliebte Partner oder ein Elternteil auf ständige Pflege oder Unterstützung angewiesen. Angehörige, die diese Aufgabe übernehmen, können schnell an ihre körperlichen und psychischen Grenzen stoßen. Achten Sie deshalb auf sich selbst. Nur wenn es Ihnen gut geht, können Sie sich gut um einen anderen Menschen kümmern.

Informationen für Angehörige

Wenn ein geliebter Mensch schwer erkrankt, kann das auch für Partner, Kinder, Eltern, Geschwister oder Freunde zu einer großen psychischen Belastung werden. Zugunsten des Erkrankten stellen Angehörige ihre eigenen Bedürfnisse oft hinten an – dabei ist es in einer solchen Situation besonders wichtig, sich selbst nicht zu vergessen: Nur wer die eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigt, kann den Erkrankten auch auf lange Sicht unterstützen. Achten Sie also gut auf sich selbst.

Hören Sie auf sich und Ihre Bedürfnisse

Als Angehörige leiden Sie möglicherweise noch mehr als der Patient. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Sie auch an sich denken und auf Ihre Bedürfnisse hören. Eine schwere Erkrankung bedeutet eine unerwartete Situation, die auch für Angehörige eine große Belastung darstellt und sie an ihre Grenzen bringen kann. Diese Grenzen können körperlicher oder psychischer Natur sein. Wichtig ist besonders, die eigenen Grenzen zu erkennen und sich zwischendurch Pausen zu gönnen, um die eigenen Kräfte wieder aufzutanken. Nur so können Sie für den Erkrankten weiterhin eine Hilfe sein.

Ohne Schuldgefühle auf sich selbst hören und achten fällt vielen Menschen nicht leicht. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich sagen, dass auch für den Erkrankten das Wohlbefinden seiner Angehörigen wichtig ist und es ihm besser gehen wird, wenn er weiß, dass es Ihnen gut geht.

Nehmen Sie sich kleine Auszeiten

Persönliche Freiräume schaffen und Zeit für sich selbst nehmen, sollte neben der Pflege des Erkrankten also eine Priorität sein. Dazu gehört auch, einmal für einen Tag oder ein paar Stunden nicht erreichbar zu sein, alleine einen Spaziergang zu machen, Freunde zu besuchen, in die Oper zu gehen oder ein Wochenende lang zu verreisen. Eben Dinge tun, bei denen Sie die Krankheit zumindest für kurze Zeit vergessen und sich entspannen können. Solche Auszeiten sind natürlich nur möglich, wenn Sie jemanden haben, der sich währenddessen um den Erkrankten kümmert. Scheuen Sie sich nicht, auf andere Familienmitglieder zuzugehen und diese mit in die anfallenden Aufgaben einzubinden. So bleibt nicht alles an einer einzelnen Person hängen, jeder kann sich Freiräume nehmen – und alle wissen, dass der Erkrankte trotzdem gut versorgt ist. Diese kurzen Auszeiten, bei denen Sie einfach dem nachgehen können, was Ihnen gerade guttut, können in schwierigen Zeiten eine große Entlastung für Sie sein.

Holen Sie sich professionelle Hilfe

Ob Familien-, Paar- oder Einzeltherapie – das Angebot an Beratung ist vielfältig. Vielleicht kann es auch Ihnen helfen, mit einer außenstehenden Person über alle Veränderungen, die eine Krankheit mit sich bringt, zu sprechen. Ängste, Sorgen, Freude oder widersprüchliche Gefühle – in einem solchen Rahmen kann all das angesprochen werden. Auch Selbsthilfegruppen, in denen man sich mit Menschen austauschen kann, die in ähnlichen Situationen sind, können Erleichterung verschaffen. Oft hilft es auch schon, mit Freunden oder Bekannten zu sprechen, die nicht selbst betroffen sind. Sie können mit einem gewissen Abstand neue Impulse geben oder Sie auf andere Gedanken bringen. Und von ihnen kommt wohl auch am ehesten die Frage: Wie geht es Dir denn überhaupt damit? Diese Zuwendung zur eigenen Person kann Balsam für die Seele sein.

Lernen Sie, Veränderungen anzunehmen

Durch schwere Krankheitsfälle können sich familiäre Dynamiken vollkommen verändern. Was einmal wichtig war, tritt unter Umständen in den Hintergrund, und andere Dinge bedeuten plötzlich viel mehr. Neue Fragen treten auf, wie z.B.: Was passiert mit unserer Familie? Wie soll es weitergehen?

Versuchen Sie, die Ratschläge einmal auszuprobieren. Vielleicht fällt es Ihnen damit schon leichter, mit der neuen Situation umzugehen. Lernen Sie, die kleinen Dinge und positiven Veränderungen zu schätzen und Freiräume für sich zu schaffen. Durch einen bewussten Umgang mit Ihren eigenen Bedürfnissen können Sie auch auf lange Zeit eine große Unterstützung für den Erkrankten sein. Achten Sie also gut auf sich selbst.

Quelle: https://www.mein-leben-mit-net.de/leben-mit-net/informationen-fur-angehoerige/

Informationen für Angehörige

Umgang mit Angst

Schwerwiegende Erkrankungen sind sehr belastend – für Patienten genauso wie für die Angehörigen. Unter Umständen gab es schon vor der Diagnose eine Zeit mit Beschwerden, die Unklarheiten und Befürchtungen ausgelöst haben. Die Zeit, in der die Diagnose gestellt wird, ist oft für alle Beteiligten von Panik und der Angst vor einem schlechten Ergebnis begleitet.

Wichtig ist, sich nicht von der Angst überwältigen zu lassen

Eine schlechte Diagnose zieht sowohl den Betroffenen als auch Ihnen als Angehörigem häufig zunächst einmal den Boden unter den Füßen weg. Trotzdem müssen in dieser Situation oft schnelle Entscheidungen über das weitere Vorgehen und die nächsten Behandlungsschritte getroffen werden. Die Angst vor langwierigen Therapien und möglichen Nebenwirkungen können noch zusätzlich verunsichern. Auch Nachsorgetermine können Sorgen und psychischen Druck auslösen, oft schon Tage vor dem Termin. Als Familienmitglied muss man dabei oft doppelt stark sein. Für den Patienten und für sich selbst. Und auch wenn die Krankheit überwunden ist, leben Betroffene mit der Angst, sie könnte wieder zurückkommen.

Diese Gefühle sind normal – wichtig ist, sich von Ängsten und Sorgen nicht überwältigen und lähmen zu lassen. Es geht darum, das Gefühl zu behalten, dass es Einflussmöglichkeiten gibt und die Situation nicht ausweglos ist.

Sie als Angehörige sind eine unglaubliche Stütze für den Patienten und tragen maßgeblich zum Gelingen der Behandlung bei. Aber nur, solange es Ihnen auch gut geht. Gerade weil der Erkrankte stets im Fokus steht, ist es wichtig, dass Sie Ihre Ängste und Sorgen nicht ignorieren.

Folgende Strategien können helfen, der Angst beizukommen

Je genauer Sie Ihre Ängste kennen, desto besser können Sie dagegen vorgehen. Dabei kann es hilfreich sein, sich selbst einige Fragen so ehrlich wie möglich zu beantworten:

  • Was fürchte ich genau? (Konkretisierung der Angst)
  • Wie wahrscheinlich und realistisch ist es, dass das, was ich befürchte, auch wirklich eintritt? (Realitätsprüfung)
  • Was würde ich tun, wenn das, wovor ich mich fürchte, tatsächlich passiert?
  • Gibt es Dinge, die ich vorsorglich regeln kann?

Tipp:

Praktizieren Sie den Gedankenstopp! Stellen Sie sich dafür beispielsweise vor, dass Sie eine gedankliche Schranke oder ein Stoppschild vor die negativen Gedanken stellen. Um gegen übermäßige Grübeleien zu vorzugehen, kann es außerdem hilfreich sein, sich selbst gedanklich mit dem Vornamen oder Kosenamen direkt anzusprechen.

Quelle: Begreifen – Bewältigen – Begleiten; Ratgeber Psychoonkologie für Patienten mit Neuroendokrinen Neoplasien (NEN)

Umgang mit Angst

Umgang mit Trauer, Depressivität, Stimmungs- und Gefühlsschwankungen

Phasen der Trauer, Niedergeschlagenheit, Depressivität und Verzweiflung gehen oft Hand in Hand mit Diagnose und Verlauf einer schweren Erkrankung – sowohl auf der Seite des Erkrankten selbst als auch bei den Angehörigen. Obwohl solche Gefühle zum normalen Anpassungsprozess an die neue Situation gehören, können sie die Lebensqualität der Betroffenen und der Angehörigen beeinträchtigen. Diese Gefühlsregungen treten oft vorübergehend auf und sind verknüpft mit konkreten Ereignissen, wie beispielsweise Terminen zur Überprüfung von Befunden oder anstehenden Behandlungen.

Gefühle sind Schwankungen ausgesetzt

Als Reaktion auf schlechte Diagnosen folgen oft Angst, Wut, aggressives Verhalten oder sozialer Rückzug. Trauer und Depressivität gehen dabei teils fließend ineinander über. Dass Patienten solchen Gefühlen ausgesetzt sind, ist bekannt. Aber auch Angehörige bleiben von diesen Emotionen nicht verschont. Daher vergessen Sie nicht: Stimmungsschwankungen sind normal und charakterisieren die Auseinandersetzung mit einer Krankheit und der damit einhergehenden neuen Situation für Sie als Angehörige.

Auch wenn man sich gerade in einem emotionalen Tief befindet, ist es möglich, dass man sich über kleine Auszeiten oder Besuch von Freunden freut oder sich davon sogar aufheitern lassen kann.

Gerade auch für Sie als Familienmitglied ist es wichtig, sich die teils negativ besetzten Gefühle wie Traurigkeit und Depressivität selbst zu erlauben und einzugestehen. Sie helfen dabei, die Krankheit emotional einzuordnen und zu verarbeiten. Ein Wechselbad aus Gefühlen der Angst, Resignation, Selbstmitleid, Wut, Zorn und Hoffnung oder Zuversicht sind meist Ausdruck einer zeitweisen seelischen Überlastung. Machen Sie sich keine Vorwürfe – selbst wenn Ihre Umgebung auf Ihre Gefühlsausbrüche irritiert reagiert. In der Auseinandersetzung mit einer belastenden Lebenssituation gibt es keine angemessenen oder unangemessenen Emotionen.

Tipps zum konstruktiven Umgang mit Trauer, Depressivität und Stimmungsschwankungen

  • Sich einigeln und nur auf den Patienten zu konzentrieren, wird nicht helfen – negative Gedanken und Niedergeschlagenheit werden dadurch nur verstärkt. Gespräche und Ausstauch mit Freunden erleichtern Sorgen meistens deutlich – auch wenn Sie vielleicht denken, niemand würde Sie verstehen.
  • Setzen Sie sich realistische Ziele. Die Phase der Genesung für den Patienten braucht Zeit. Verlieren Sie nicht die Geduld. Ansonsten wird es schnell zu Enttäuschung und Frust kommen.
  • Selbstvorwürfe sind nicht angebracht. Nehmen Sie es sich daher nicht übel, wenn auch Sie mal einen Durchhänger haben, das wird immer wieder vorkommen.
  • Regelmäßige Bewegung ist ein Stimmungs-Booster: Egal ob Spazierengehen, Gartenarbeit, Wandern, Schwimmen oder Radfahren – Ihr Antrieb wird sich dadurch steigern.
  • Versuchen Sie, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist.
  • Loben und belohnen Sie sich.
  • Eine Therapie kann Ihnen in Bezug auf Trauerbewältigung und Management der Situation eine große Unterstützung sein. Scheuen Sie sich daher nicht, gegebenenfalls psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  • Nutzen Sie die Angebote von Selbsthilfeeinrichtungen. Viele bieten speziell für Angehörige Austauschmöglichkeiten und Ansprechpartner an.

Quelle: Begreifen – Bewältigen – Begleiten; Ratgeber Psychoonkologie für Patienten mit Neuroendokrinen Neoplasien (NEN)

Umgang mit Trauer

Gut vorbereitet zum Arztgespräch mit Angehörigen

Ein Familienmitglied oder einen Freund zum Arztgespräch zu begleiten, ist oft sehr wichtig und hilfreich für den Patienten, denn vier Ohren hören mehr als zwei. Zudem können vertraute Personen dem Erkrankten in schwierigen Situationen Halt geben. Die meist knapp bemessene Zeit des Arztes sollte zudem optimal genutzt werden, damit keine Frage unbeantwortet bleibt. Deshalb ist es sinnvoll, sich im Vorfeld mit dem Angehörigen darauf vorzubereiten.

Folgende Punkte können Ihnen als Angehörigem bei der Vorbereitung helfen:

  1. Oftmals ist der Patient vor dem Besuch des Facharztes aufgeregt. Dann ist es besonders schwer, sich beim Gespräch mit dem Arzt an alles zu erinnern. Schreiben Sie gemeinsam mit dem Patienten alle Fragen auf, die Sie mit dem Arzt besprechen möchten. Halten sie auch zwischen den Arztbesuchen wichtige Punkte schriftlich fest, wenn es dem Patienten einmal nicht so gut ging oder es spezifische Beschwerden gab. Nehmen Sie diese Checklisten mit zum Gespräch. So vermeiden Sie, etwas Wichtiges zu vergessen und der Arzt kann sich ein Bild von der Zeit zwischen den Terminen machen.
  2. Stellen Sie eine Liste mit den Medikamenten zusammen, die Ihr Angehöriger derzeit einnimmt. Dazu gehören auch Arzneimittel, die selbst gekauft wurden, evtl. aufgrund einer Empfehlung der Apotheke.
  3. Denken Sie an wichtige Unterlagen: frühere Befunde, Laborwerte, MRT-, CT- oder Röntgenbilder, aber auch an Allergieausweis oder Impfpass.

So gelingt ein vertrauensvolles Gespräch:

  1. Beschreiben Sie möglichst genau die Beschwerden Ihres Angehörigen und wann sie auftreten.
  2. Machen Sie sich Notizen während des oder kurz nach dem Gespräch. So ist Ihnen das Besprochene auch noch präsent, wenn Sie wieder zu Hause sind. Wenn Sie ein Smartphone haben, können sie das Gespräch nach Rücksprache eventuell auch aufnehmen.
  3. Haken Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Es ist nicht schlimm, etwas nicht direkt zu verstehen. Die Ärzte können Ihnen die medizinischen Fachbegriffe und Fremdwörter erklären.
  4. Geben Sie mit Ihren Worten wieder, was Sie gehört und verstanden haben. So können Missverständnisse vermieden werden.
  5. Äußern Sie die Wünsche Ihres Angehörigen oder Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen, und lassen Sie sich die Behandlung oder Operation anschaulich erklären – Grafiken und Bilder können dabei zu mehr Verständnis beitragen.
  6. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Bitten Sie um Bedenkzeit, wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Angehöriger die empfohlene Behandlung tatsächlich will. Fragen Sie nach weiterem Informationsmaterial oder Tipps für Webseiten, über die Sie sich gemeinsam noch besser informieren können.
  7. Machen Sie Ihre Rolle als Angehöriger zum Thema und besprechen mit dem Patienten und dem Arzt, was Sie tun können, um den Therapieerfolg zu fördern – aber auch, wo Ihre Grenzen sind.

Quelle: Wegweiser Nierenkrebs_Patientenmaterialien

Arztgespräch

Zeit für sich

Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt oder unterstützt, steht häufig vor einer großen

Herausforderung: Wie gelingt der Spagat zwischen Familie, Beruf und Pflege?

Schnell kann daraus eine körperliche und seelische Überforderung werden. Deshalb ist es wichtig, dass pflegende oder unterstützende Angehörige auf sich achten, sich Zeit für sich selbst und für die eigenen Bedürfnisse nehmen.
Wir haben einige Tipps zusammengestellt, wie Sie ohne großen Aufwand entspannen und neue Kraft schöpfen können.

Gönnen Sie sich regelmäßig eine Pause und tun Sie am besten gar nichts. Schon zehn Minuten am Tag reichen aus und bringen Erholung und neue Impulse.

Hören Sie Ihre Lieblingsmusik. Schalten Sie ab und lassen Sie sich in eine andere Welt entführen. Musik ist schließlich Balsam für die Seele.

Gehen Sie nach draußen. Denn frische Luft hebt die Stimmung und macht den Kopf frei. Schon einige Minuten am Tag genügen.

Führen Sie ein Tagebuch. Schreiben Sie Ihre Gedanken und Gefühle auf und was Sie belastet. Das hilft Ihnen, Abstand zu gewinnen.

Machen Sie es sich auf dem Sofa gemütlich und denken Sie an einen Augenblick, in dem sie glücklich und zufrieden waren. Schöne Gefühle stärken das Wohlbefinden.

Zeit für sich

Mit Meditation entspannen und zur Ruhe kommen

Der Alltag ist für pflegende oder unterstützende Angehörige oft mit viel Stress und Hektik verbunden. Um einfach mal abzuschalten, zur Ruhe zu kommen und zu entspannen, bietet sich die Meditation an. Ihr Ziel ist es, das ständige Grübeln zu durchbrechen, den Kopf frei zu bekommen und mehr Aufmerksamkeit auf die schönen Dinge im Hier und Jetzt zu richten. Die Übungen können im Sitzen, Liegen, Gehen, Tanzen oder Laufen ausgeführt bewegen.

Welche Methoden gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Meditationsarten – von der Achtsamkeits-, der Stille- und Ruhemeditation bis hin zum Qigong. Eines haben alle gemeinsam: die Konzentration auf eine Sache. Das kann der Atem sein, ein bestimmtes Geräusch oder ein Bild. Eine klassische Technik ist das aufrechte Sitzen auf dem Boden. Suchen Sie sich dafür einen Platz aus, an dem Sie ungestört sind und machen Sie es sich bequem. Die Hände liegen locker im Schoß, die Augen sind geschlossen. Nehmen Sie bewusst wahr, wie Sie durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. So schalten Sie um auf Ruhe und Entspannung. Wenn Sie es lieber aktiver mögen, können Sie beim Meditieren auch laufen oder gehen und sich dabei zum Beispiel auf die Fußsohlen konzentrieren. Schweifen Ihre Gedanken ab, versuchen Sie von Neuem, Ihre Aufmerksamkeit auf die Füße zu lenken. Langsame, fließende Bewegungen werden beim Qigong ausgeführt – fast wie in Zeitlupe. Und während Sie sich bewegen wie im Wind, lassen Sie den Atem langsam fließen.

Am Anfang fällt es vielen Menschen schwer, wirklich abzuschalten. Denn immer wieder tauchen störende Gedanken auf. Dadurch wird vielen bewusst, was ihnen alles durch den Kopf geht. Regelmäßiges Üben und ein wenig Disziplin sind deshalb wichtig. Schon zehn Minuten am Tag reichen aus. Bauen Sie eine feste Auszeit in Ihren Tagesablauf ein und legen Sie fest, wann Sie meditieren möchten. Welche Tageszeit sich am besten eignet, finden Sie nach kurzer Zeit selbst heraus. Am Morgen ist das Gehirn aber noch nicht mit so vielen Eindrücken des Tages beschäftigt.

Meditation

„Sprich mit mir!“ Kommunikation mit einem Schlaganfall-Patienten

Ein Schlaganfall kann zu einem völligen oder teilweisen Verlust der Sprache führen. Ursache ist eine Schädigung der entsprechenden Areale im Gehirn. In diesem Zusammenhang wird auch von einer Aphasie gesprochen. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist das oft sehr belastend. Sie müssen nun einen anderen Weg finden, um miteinander zu kommunizieren.

Sich ohne Worte verständigen

Nach einem Schlaganfall kann die Sprache des Betroffenen beeinträchtigt sein. Das ist für alle eine schwierige Situation und ein tiefer Einschnitt in das Zusammenleben. Doch es gibt Wege, um damit umzugehen. Wenn der Schlaganfallpatient noch etwas verstehen kann, ist eine Kommunikation mit ihm möglich. Selbst wenn er nur noch „ja“ und „nein“ sagen kann. Denn: Eine Sprachstörung ist keine Denkstörung. Und die geistigen Fähigkeiten sind in der Regel nicht beeinträchtigt. Nun ist es wichtig, dass sie sich auch ohne viele Worte verständigen können: durch nonverbale Kommunikation. Ermutigen Sie Ihren Angehörigen, sich über Mimik, Gestik oder die Körpersprache mitzuteilen. Mit einem Lächeln, Nicken, Kopfschütteln, den Daumen hoch- oder runterstrecken kann er Ihnen mitteilen, ob er froh ist, einer Sache zustimmt oder sie ablehnt. Nonverbale Kommunikation ist wie das Lesen zwischen den Zeilen. Voraussetzung ist: Sie als pflegender Angehöriger und der Betroffene selbst müssen dazu bereit sein und darauf vertrauen, dass sie gut damit leben können. Dann klappt es in der Regel auch.

Motivieren und unterstützen Sie den Betroffenen. Wenn es ihm leichter fällt, die Wörter nicht zu sprechen, sondern eher zu singen, ermutigen Sie ihn dazu. Sie können auch spezielle Bücher zur nonverbalen Kommunikation nutzen. Der Patient zeigt zum Beispiel auf ein Foto oder ein Symbol und macht sich so verständlich. Damit Sie als pflegender Angehöriger mehr Sicherheit im Umgang mit dem Betroffenen gewinnen, empfiehlt es sich, ihn zur Sprachtherapie, zur Logopädie, zu begleiten. Das ist ein gutes Training und eine gute Kommunikationsschule für Sie beide. Als pflegender Angehöriger brauchen sie für die Kommunikation mit einem Schlaganfall-Patienten aber vor allem eins: viel Geduld. Und Sie sollten lernen, die richtigen Fragen zu stellen.

Aphasie

So können Sie die Therapie unterstützen

Der Schlaganfall eines nahestehenden Menschen trifft auch die ganze Familie. Als pflegende oder unterstützende Angehörige können Sie dem Patienten beistehen und ihm Rückhalt geben. Für Ärzte und Therapeuten sind Sie ein wichtiger Ansprechpartner, weil Sie die Gewohnheiten des Patienten kennen und wissen, was ihm guttut. Doch wie können Sie die Therapie unterstützen?

Seien Sie Begleiter, Motivator und Partner 

Sie kennen die Gewohnheiten des Schlaganfallpatienten und die Probleme, die im Alltag auftreten. Geben Sie diese wichtigen Informationen an Ärzte und Therapeuten weiter. Für den Therapieerfolg sind Sie aber nicht verantwortlich. Denn dafür sind Sie nicht ausgebildet. Seien Sie eher Begleiter, Motivator und Partner. Leisten Sie dem Menschen, der Ihnen nahesteht, nach dem Schlaganfall emotionalen Beistand und geben Sie ihm Rückhalt. Wenden Sie sich mit Ihren Fragen nicht nur an den Arzt, sondern auch an den Therapeuten, die Krankenkasse, an Selbsthilfegruppen oder einen Pflegedienst. Je breiter Sie das Netzwerk aus Helfenden um sich herum aufbauen, desto mehr Unterstützung werden Sie bekommen.

Dass Angehörige die Pflege oder Unterstützung des Schlaganfallpatienten übernehmen, wird oft als selbstverständlich angesehen. Und Sie leisten diesbezüglich meist sehr viel. Deshalb müssen Sie auch auf sich selbst achten, damit es zu keiner Überforderung und Überlastung kommt. Nehmen Sie jede Hilfe an, die Sie bekommen können. Wichtig ist auch, dass Sie einen „Notfallplan“ haben. Dieser regelt, wer Sie vertritt, wenn Sie einmal krank werden. Informieren Sie sich dazu bei der Sozialberatung vor Ort. Und organisieren Sie Pausen, um einmal durchzuatmen. Sie können die Verantwortung für die Pflege eines Angehörigen zeitweise auch einem anderen Mitglied aus der Familie oder aus Ihrem Freundeskreis übertragen.  Oder organisieren Sie sich Hilfe von außen durch die Nutzung der ambulanten Tagespflege oder eines ambulanten Pflegedienstes.

Tipps und Hinweise für pflegende und unterstützende Angehörige von Schlaganfallpatienten ->

Unterstützung

Mehr Resilienz für mich als Angehöriger eines kranken Familienmitglieds

Die Pflege oder Unterstützung kranker Familienmitglieder kann zu einer Belastungsprobe werden. Die körperlichen Ansprüche sind oft enorm, aber vor allem die kontinuierliche psychische Beanspruchung kann auf Dauer Folgen für die Gesundheit der pflegenden oder unterstützenden Angehörigen haben. Damit das nicht passiert, braucht es einen sorgsamen Umgang mit dem eigenen Energiehaushalt sowie seelische Widerstandsfähigkeit. Diese Kraft ist uns angeboren, kann aber auch trainiert werden.

Mehr Resilienz für mich als Angehöriger eines kranken Familienmitglieds

Die Pflege oder Unterstützung kranker Familienmitglieder kann zu einer Belastungsprobe werden. Die körperlichen Ansprüche sind oft enorm, aber vor allem die kontinuierliche psychische Beanspruchung kann auf Dauer Folgen für die Gesundheit der pflegenden oder unterstützenden Angehörigen haben. Wenn diese sich ohne Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse aufopfern, können sie an einen Punkt kommen, wo sie mit ihren Kräften völlig am Ende sind und im schlimmsten Fall selbst krank werden.

Damit das nicht passiert, braucht es einen sorgsamen Umgang mit dem eigenen Energiehaushalt sowie Resilienz – so nennen Psychologen die seelische Widerstandsfähigkeit, dank der wir trotz Herausforderungen und Stressoren nicht krank werden. Diese Kraft ist uns angeboren, kann aber auch trainiert werden.

Krisen anerkennen und handeln

Ereignisse, die uns erschüttern, so wie der schwere Krankheitsfall in der Familie, gehen nicht spurlos an uns vorbei. Auch sehr resiliente Menschen mit hoher Widerstandsfähigkeit spüren diese Erschütterung. Resilienz heißt also nicht, dass wir Tiefschläge nicht wahrnehmen. Vielmehr haben resiliente Menschen einen gesunden Umgang mit Krisen. Sie können Frust und Druck besser meistern. Sie werden von anderen als selbstbewusst, gelassen, humorvoll, menschlich, zuversichtlich und zielorientiert wahrgenommen – übrigens nicht nur in Krisensituationen, sondern auch im Alltag. Resilienz bedeutet, sich nicht in die Opferrolle zu begeben, sondern trotz Krise zu schauen, was ich bewegen und steuern kann, um die Situation zu verbessern.

Resilienz trainieren

Die psychologische Forschung geht davon aus, dass etwa 50 Prozent der Resilienz genetisch vorgegeben sind. Die andere Hälfte wird mit Erfahrung erworben. Und hier liegt unsere Chance! Wir können unsere eigenen Erfahrungen gestalten und somit Resilienz selbst aufbauen und stärken. Diese Möglichkeit besteht ein Leben lang – auch noch im Alter können wir lernen, Dinge in die richtige Richtung zu lenken. Ein wichtiger Punkt hierbei ist Optimismus. Damit ist keine blinde Zuversicht mit rosaroter Brille gemeint. Im Gegenteil: Optimismus erfordert einen klaren Blick auf das Ganze. Denn egal wie belastend und herausfordernd eine Situation ist, es gibt gute Seiten, die wir bei genauer Betrachtung erkennen können.

Diesen positiven Blick können wir üben. Am besten überlegt man sich täglich vor dem Einschlafen, was trotz aller Schwierigkeiten gut gelaufen ist. Diese Lichtblicke, auch wenn sie noch so klein sind, können die Zukunft erhellen. Wenn wir abends denken „Mein Vater ist so krank, das ist so furchtbar!“, wird es düster bleiben. Wenn wir aber denken „Wie schön, dass ich heute mal wieder gemeinsam mit meinem Vater über den tollpatschigen Hund der Nachbarin lachen konnte!“, dann besteht Hoffnung auf inneren Sonnenschein.

Wie man die eigene mentale und physische Widerstandskraft stärken kann – So kann’s gehen ->

Resilienz

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