„Mein Mann hatte einen Schlaganfall und ist schwerstbehindert. Ich bin oft so erschöpft, dass ich morgens kaum aufstehen kann.”

54,4 Prozent der Angehörigen leiden unter psychischen Belastungen. Zusätzlich klagt jeder fünfte (21,8 Prozent) über körperliche Belastungen.

Angehörigen-Umfrage: Die Ergebnisse

Ein Schlaganfall trifft in Deutschland jährlich mehr als 270.000 Menschen – und mindestens genauso viele Angehörige. Fast die Hälfte der Patienten braucht nach dem Krankenhausaufenthalt Unterstützung. Doch Angehörige fallen in Deutschland durchs Raster: im Gegensatz zu Pflegekräften oder Ärzten haben sie im System keine Lobby, leisten aber zum Teil Übermenschliches. Wir wollen wissen, wie die Realität von Menschen aussieht, die einen Angehörigen mit einer schweren Erkrankung unterstützen oder pflegen und haben eine bundesweite Umfrage gestartet. Die Ergebnisse sind beunruhigend:

Die Ergebnisse

47,7 Prozent berichten von Herausforderungen im Familienleben und 37,2 Prozent von eingeschränktem Sozialleben.

Belastungen für Körper und Seele: Angehörige von schwer Erkrankten sind einer Vielzahl unterschiedlicher Herausforderungen ausgesetzt. Dazu gehören nicht nur körperliche oder seelische Belastungen, sondern auch Existenzsorgen und Einschränkungen des Soziallebens. Nicht selten treten mehrere Belastungsformen gleichzeitig auf.

Wenn die Seele leidet: Daten zu psychischen Belastungen

Mehr als die Hälfte (54,4 Prozent) aller Angehörigen, die Schlaganfallpatienten unterstützen oder pflegen, leiden unter psychischen Belastungen. Einige Studien, die bei pflegenden Angehörigen erhoben wurden, belegen, dass die psychische Belastung teilweise sogar größer ist als die der Patienten selbst.

Bereits existierende Interventionsansätze für Angehörige legen den Schwerpunkt auf Psychoedukation, Problemlöseansätze und Unterstützung in Stressmanagement und Selbstfürsorgetechniken.

Über 40 Prozent (42,6) der befragten Angehörigen von Schlaganfallpatienten wünschen sich mehr Austausch mit anderen Betroffenen

Der Wunsch nach mehr Austausch bestätigt den Anlass der Initiative Räume zum Reden. Ipsen möchte nach der Umfrage ein Austauschformat für alle Beteiligten schaffen. Ein Ort für Angehörige, an dem ihnen zugehört wird und sie sich mit anderen Betroffenen und Experten austauschen, aber auch Unterstützungsmöglichkeiten diskutieren können.

Mehr als die Hälfte (57,6 Prozent) wünscht sich mehr externe Unterstützung für sich persönlich.

Mehr als die Hälfte der Angehörigen von schwer Kranken wünscht sich mehr externe persönliche Unterstützung. Dabei geht es aber nicht nur um Hilfe bei der Pflege oder im Haushalt sondern auch um einen Informationsbedarf: Die Ipsen-Umfrage hat daher untersucht, wo und wie sich Angehörige von schwer erkrankten Menschen über Hilfsangebote informieren oder medizinische Fragen klären. Die Ergebnisse geben uns Hinweise, welche Art von Informationen, edukativen Programmen und weiteren Unterstützungsoptionen benötigt werden.

Jeweils mehr als die Hälfte der Angehörigen von Schlaganfall-Betroffenen informieren sich im Internet (52,8 Prozent) und über den Arzt (52,9 Prozent).

Bedenkt man, dass der Patient im Mittelpunkt der ärztlichen Tätigkeit steht, erhält der Angehörige vornehmlich Informationen über Erkrankung und Therapieplan. Aber vermutlich bekommt er nur sehr selten Informationen, die dem Angehörigen selbst helfen. Der Informationsbedarf ist enorm. Und eine gute Vorbereitung kann Belastungen verringern und die Lebensqualität verbessern.

Doch mehr als 50 Prozent der befragten Angehörigen wissen nicht oder zumindest nur in Teilen, an welche Behörde oder Einrichtung sie sich bei organisatorischen Fragen wenden müssen. Die Ergebnisse liefern daher valide Hinweise, wo welche Art Informationen oder Hilfsangebote benötigt werden.

Fast die Hälfte (48,8 Prozent) der pflegenden Angehörigen investieren 20 oder mehr Stunden pro Woche für Pflege, Betreuung, Organisation;  31,7 Prozent sogar 30 Stunden und mehr.

Weitere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Die Arbeitsforscherin Dr. Tine Haubner, Universität Jena, stellte fest, dass die Angehörigen den größten und zugleich kostengünstigsten Pflegedienst stellten. Von den insgesamt rund 3,4 Millionen Pflegebedürftigen würden drei Viertel ausschließlich oder unter anderem von Angehörigen versorgt (Infratest Sozialforschung München. Hilfe- und Pflege bedürftige in Privathaushalten in Deutschland 2002).

Ipsen-Report 2020

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Diese und weitere Ergebnisse mit ersten Analyse-Ansätzen finden Sie im diesjährigen Ipsen-Report.

Ipsen-Report zum Download ->

Ipsen Report 2020

Ipsen-Report zur Angehörigen-Umfrage: Ergebnisse und Analyse

Ipsen hat in einer am 22. Oktober 2020 vorgestellten bundesweiten Umfrage untersucht, wie die Realität von Menschen aussieht, die einen Angehörigen mit einer schweren Erkrankung unterstützen oder pflegen. Die Ergebnisse sind beunruhigend. Sehen Sie hier den Zusammenschnitt des Pressegesprächs.

Analyse

Methode und Stichprobe

Methodik und Daten zur Umfrage

Gemeinsam mit Professor Dr. Jörg Wissel und Professor Dr. Tobias Bäumer haben wir einen Online-Fragenkatalog mit Multiple-Choice-Fragen entwickelt. Die Befragung organisiertdas digitale Markt- und Meinungsforschungs-Unternehmen CiveyCivey kann auf das größte Open-Access-Panel in Deutschland zurückgreifen, das aktuell rund eine Million verifizierte und monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer umfasst

Insgesamt wurden 25 Fragen beantwortet. Die Umfrage wurde geclustert in einen allgemeinen Teil mit Fragen für Angehörige von schwer oder chronisch Kranken, einem zweiten Teil mit Fragen speziell für Angehörige von Schlaganfall-Patienten mit Folgeerkrankungen sowie einem Teil für Angehörige von Schlaganfall-Patienten, die regelmäßig Pflegeaufgaben übernehmen. Alle drei Umfragen sind für die Merkmale Geschlecht, Region und Alter als repräsentativ zu bewerten. Die Stichprobe, die für die Ergebnis-Auswertung bei den ersten beiden Umfragen genutzt wurde, lag jeweils bei 2.500 Befragten ab 18 Jahren. Die Umfrage für pflegende Angehörige wurde bei einer Stichprobe von 800 Befragten ausgewertet. Mehr zu den Teilnehmerzahlen → Ipsen-Report

Methodik

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