„MEINE ALLERWICHTIGSTE
AUFGABE IST DAS ZUHÖREN.“ PATRICK LANGECKER, PATIENT RELATIONS MANAGER
BEI IPSEN, IM INTERVIEW

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Wir wollen Dialoge anregen! Damit wir im Sinne einer besseren integrierten Versorgung offene Kommunikationslücken zwischen den Patientinnen und Patienten, ihren pflegenden Angehörigen, den Mitgliedern der medizinischen Fachkreise und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen schließen können.

WELCHE AUFGABEN HAT EIN
PATIENT RELATIONS MANAGER?

In regelmäßigen Gesprächen mit Patienten und unterstützenden Angehörigen versuche ich herauszufinden, was ihre Bedürfnisse, Ängste und Herausforderungen sind – und wie Ipsen ihnen am besten helfen kann. Ich befasse mich aber auch mit der Frage, welchen Wert Ipsen für Patienten und Angehörige und das Gesundheitssystem stiften kann und auf welche Weise Patienten dabei eingebunden werden können. Eine andere wichtige Aufgabe ist die Vernetzung mit Patient Relations Managern von anderen Unternehmen. Und zu guter Letzt informiere ich mich auch auf Kongressen oder Gründertagen über neue Lösungen und Ansätze, Patienten noch besser in der Bewältigung des Alltags zu unterstützen. In einem Satz: Ich verstehe mich als eine Art Anwalt der Betroffenen.

WIE KOMMEN SIE MIT
UNTERSTÜTZENDEN UND
PFLEGENDEN ANGEHÖRIGEN
INS GESPRÄCH?

Das geschieht vor allem im Rahmen von Patiententagen, bei denen wir häufig mit einem Infostand vertreten sind. Interessanterweise kommen die Angehörigen häufig allein zu uns, weil sie ganz andere Fragen als die Patientinnen und Patienten selbst haben.

Gerade bei neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson sind Angehörige sehr belastet und häufig auch überfordert. Oftmals verschiebt sich auch das soziale Gefüge in der Familie. Wenn der Mann, das „Familienoberhaupt“, eine solche Erkrankung bekommt, fällt die Führungsrolle plötzlich der Ehefrau zu – die darauf natürlich überhaupt nicht vorbereitet ist. Diese Menschen sind dann sehr froh, wenn sie einen Ansprechpartner haben, der diese Situation kennt und ihnen helfen kann.

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SIND ANGEHÖRIGE VON PATIENTEN MIT SCHWEREN
ERKRANKUNGEN AUSREICHEND IN DAS
VERSORGUNGSMANAGEMENT EINGEBUNDEN?

Leider nein. Ein Beispiel: Ich habe mal bei einem Diabetologen hospitiert. Der musste bei einem Patienten darauf hinwirken, dass dieser sich gesünder ernährt – vom Einkauf im Supermarkt bis zur Zubereitung der Speisen. Ich sah im Gespräch, dass der Patient schon nach kurzer Zeit abschaltete – und ich bezweifle, dass er sich an die Ratschläge später gehalten hat. Hätte der Arzt ihn gefragt, wer in der Familie für den Einkauf und die Zubereitung zuständig ist, hätte man diese Person mit einladen sollen, z. B. die Ehefrau, die oft noch die Rolle der „Gesundheitsmanagerin“ innehat. Das Ergebnis wäre mit Sicherheit besser gewesen. Es gilt für fast alle Erkrankungen: Die Angehörigen sind für die sogenannte Therapietreue von Patienten ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor.

WORUNTER LEIDEN
ANGEHÖRIGE SCHWER
ERKRANKTER PATIENTEN
BESONDERS?

Das ist ein ganzes Bündel von Herausforderungen. Sie sorgen sich natürlich um ihren Partner oder ihr Familienmitglied. Dann erfordert die Pflege oft auch körperliche Kraft. Ein Drittes ist der soziale Druck: Wenn ein Parkinson-Patient sich beispielsweise auf einer Familienfeier ungewöhnlich benimmt, wird ihm niemand das anlasten, denn er ist ja als Patient quasi von allem freigesprochen.

Häufig hören dann jedoch die Angehörigen Klagen, wenn der Patient auf der Feier nicht so „funktioniert“ hat, wie man es eigentlich erwartet hätte. Das kann für Angehörige sehr belastend sein. Vor allem, wenn sie nicht wissen, wie sie mit einem solchen sozialen Druck umgehen sollen